Studienfahrt nach Rom 2015

Studienfahrt nach Rom 2015

Studienfahrt der Klassen 9b, 9c und 9d des Gymnasiums Überlingen nach Rom vom 17.05. bis 22.05.2015

Am Morgen des 17. Mai war es endlich so weit: Wir, die 40 Latein-Schülerinnen und -Schüler der Klassen 9b, 9c und 9d, machten uns zusammen mit unseren Lehrern Herrn Thumm, Frau Kramer und Herrn Bujok auf unsere schon lange mit großer Vorfreude herbeigesehnte Studienfahrt nach Rom auf. Nach dem Abschied von unseren Eltern ging es mit dem Bus in Richtung Flughafen Stuttgart los. Bereits während der Busfahrt hörten wir zur Einstimmung die ersten drei von insgesamt 36 Referaten. Wir erfuhren Wichtiges über die Gründungsgeschichte Roms, die Königszeit und den Übergang zur und die Entwicklung der Republik. In Stuttgart angekommen gab es keine große Wartezeit und wir flogen nach Rom Fiumicino. Auf der Busfahrt Richtung Bahnhof Termini bekamen wir einen ersten Eindruck von der wunderschönen Stadt. Da die meisten von uns noch nie in Rom gewesen waren, war es für viele etwas ganz Neues und die Spannung war entsprechend groß. Nachdem wir unsere Zimmer im Hotel Casali bezogen hatten, welches nicht weit von Termini entfernt liegt, genossen wir einen ersten kleinen Stadtrundgang zur 2_Spanische_TreppeSpanischen Treppe. Dort wurden wir vom wunderschönen Ambiente der untergehenden Sonne überrascht. Auch hatten wir unser erstes Zusammentreffen mit den unzähligen Straßenverkäufern Roms. Danach ging es weiter zum Trevi-Brunnen, wo wir von zwei Mitschülern über diesen weltbekannten Brunnen und die Wasserversorgung im antiken Rom informiert wurden. Doch leider hatten wir das Pech, dass während unseres Romaufenthalts der Trevi-Brunnen ohne Wasser und zum größten Teil eingerüstet war. Also ein Grund mehr für uns alle, ein weiteres Mal nach Rom zu kommen. An diesem Tag war das Programm sehr spät zu Ende, weshalb unsere Lehrer gnädig mit uns waren und wir erst um 23 Uhr zurück im Hotel sein mussten.

5_Trajansaeule_2Den nächsten Tag verbrachten wir hauptsächlich im Zentrum des antiken Rom und es war der Tag mit den meisten Referaten (16). Nach dem Frühstück machten uns auf den Weg zur Trajan-Säule, wo wir über Kaiser Trajan selbst, unter dem das römische Reich im Jahre 117 n. Chr. seine größte Ausdehnung erfuhr, und die von ihm geführten, auf der Säule in einem umlaufenden Relief dargestellten Kriege gegen die Daker informiert wurden. Außerdem wurden wir noch in die wichtigsten architektonischen Grundbegriffe wie Kannelure, Pilaster, Kapitell, Exedra, Apsis, Attika, Architrav und die Säulenordnung eingeführt, welche uns die ganze Woche über immer wieder begegnen sollten. Danach ging es weiter zum nicht weit entfernten Denkmal für Vittorio Emanuele II., welches kein Gebäude der Antike ist, sondern aus der Neuzeit stammt und deshalb auch besonders hervorsticht. Schließlich ging es weiter zum Kapitolshügel, wo wir etwas über den uns aus unserem Lateinbuch bekannten Galliersturm aus dem Jahre 390 oder 387 v. Chr. hörten und die Nachbildung der Reiterstatue des Philosophenkaisers Marc Aurel betrachteten, die im Übrigen auf der Rückseite der 50-Cent Münze Italiens abgebildet ist. Außerdem genossen wir von dort oben einen herrlichen Blick über die Stadt Rom und besonders über das Forum Romanum. Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter zum Forum Romanum, wo wir einige Vorträge hörten, wie zum Beispiel über die Vestalinnen, die Göttin Vesta, deren Kult und Tempel, dessen Überreste wir auch sehen konnten, und über die gewaltige Maxentius-Basilika, von deren gewaltigen Gewölben leider nur sehr wenige Überreste geblieben sind. Außerdem erfuhren wir mehr über den Kaiser Konstantin (272-337 n. Chr.), von dem im Inneren der Basilika einst eine große Statue stand, und über sein Bekenntnis zum Christentum (Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahre 312). Weiter ging es auf den Palatin, wo wir alle über die Größe des Palastes des Augustus erstaunt waren. Von dort aus bekamen wir auch zum ersten Mal einen Blick auf den Circus Maximus, der - wie von den Lehrern angekündigt - leider nicht mehr besonders spektakulär ist, da man nur grobe Umrisse erkennen und nur erahnen kann, wie er einmal aussah. Von dort aus machten wir uns zu einem weiteren Programmpunkt auf, dem Kolosseum. Für die meisten wohl das Synonym für Rom und auch das Wahrzeichen, das 17_Kolosseum_2in aller Welt bekannt ist, sowie nicht nur das bekannteste Amphitheater, sondern wohl auch das bekannteste Gebäude der Welt. Im Voraus erfuhren wir mancherlei Wissenswertes über die Architektur und den Bau des Kolosseums selbst, ihre Bauherren (die Kaiser Vespasian und Titus) und über die Gladiatorenkämpfe, die dort stattfanden. Wir waren alle überrascht, wie viel im Inneren doch erhalten geblieben ist, und erstaunt, zu hören, dass das Verschwinden großer Mauerteile den einstigen Bürgern Roms selbst anzulasten ist, da diese die Steine für Bauzwecke an anderer Stelle nutzten. Auch war es schwer vorstellbar, wie das Kolosseum damals geflutet werden konnte, um Seeschlachten, sog. Naumachien, nachzustellen. Den Abschluss des Tages bildeten ein Referat über den Konstantin-Bogen und eines über die Domus Aurea des Kaisers Nero, über dessen Leidenschaft fürs Theater und in manchen Quellen als Wahnsinn beschriebenen mentalen Zustand wir mehr erfuhren. Die letzte Herausforderung des Tages bestand für uns nun darin, den Weg zurück zum Hotel zu finden.

Der nächste Tag begann schon früh, da wir uns mit der U-Bahn auf den Weg zu den Vatikanischen Museen machten. Aufgrund der Größe unserer Gruppe mussten wir uns für die Führung in zwei Gruppen teilen und so erlebten wir eine vierstündige Führung durch diese riesigen Museen, die aber keineswegs langweilig wurden, da es dort so viel zu sehen gibt. Während der Führung wurden uns viele wichtige und weltbekannte Exponate gezeigt, wie zum Beispiel die Lakoon-Gruppe, die wir zum ersten Mal nicht auf einem Bild in unserem Lateinbuch, sondern in natura sahen. Auch über die Sixtinische Kapelle und ihre künstlerische Gestaltung durch Michelangelo wurden wir sehr umfänglich, aber äußerst 23_Papstwappen_mal_andersunterhaltsam informiert. Unsere Führung endete schließlich im Petersdom, der wirklich jede(n) von uns durch seine Größe und seine Pracht erstaunte. Als nächstes machten wir uns auf den Weg zur Kuppel des Petersdoms. Nach 500 Stufen durch enge Gänge waren wir endlich oben angekommen und konnten bei wunderbarem Wetter den Ausblick über ganz Rom genießen. Wieder unten hörten wir erst ein Referat über die Schweizer Garde, die wir auch in ihren traditionellen Uniformen sahen, und machten dann eine kurze Mittagspause im Borgo. Wir liefen am Tiber entlang zum Circus Maximus, wo wir einen Vortrag hörten, und danach weiter zu den Caracalla-Thermen, die jedoch leider bereits geschlossen waren, weil wir zu spät dran waren.

Am Mittwoch teilten wir uns je nach Interesse in zwei Gruppen auf. Für die einen, die zur Generalaudienz des Papstes wollten, ging es schon früh mit der U-Bahn los in den Vatikan, um dort auf dem Petersplatz einen einigermaßen guten Platz zu ergattern. Wir waren erstaunt, wie viele Menschen aus der ganzen Welt nach Rom gekommen waren, um den Papst zu sehen. Als Papst Franziskus vor dem eigentlichen Beginn der Audienz seine 22_Papst_FranziskusRundfahrt durch die Menge begann, brach großer Jubel aus, und auch an uns fuhr er relativ nah vorbei. Während der Audienz verstanden wir nicht sonderlich viel, da mehrheitlich Italienisch gesprochen wurde. Dennoch war es ein unvergessliches Erlebnis, diese Atmosphäre voller Begeisterung und Freude mitzuerleben und dem Papst einmal so nahe gewesen zu sein. Für die anderen ging es mit der U-Bahn hinaus aus dem Stadtzentrum Roms, um die Basilika „St. Paul vor den Mauern“ zu besichtigen. Für viele war sie die schönste Kirche Roms, da sie nicht so übermäßig groß wie der Petersdom und auch infolge ihrer Lage nicht allzu sehr von Touristen belagert ist. Schließlich trafen wir uns alle wieder im Borgo, um dort Mittag zu essen. Von dort aus ging es zum Hadrianmausoleum oder auch Engelsburg, die u. a. als Zufluchtsstätte der Päpste diente. Weiter ging es zur Ara Pacis, dem Friedensaltar des Augustus, auf dem dieser mit seiner Familie beim Opfer an die Götter dargestellt ist. Dies ganz im Sinne der von Kaiser Augustus propagierten Restaurationspolitik. Hier berichteten auch zwei aus unseren Reihen über die spezielle Regierungsform des Principats und die Res Gestae Divi Augusti, von denen wir zumindest den Anfang übersetzten. Auch auf der weltberühmten Piazza Navona - ursprünglich das Stadion des Domitian (85 n. Chr.), was anhand der Form des heutigen Platzes noch gut erkennbar ist - machten wir halt, hörten einiges über den Vierströmebrunnen und über den Streit zwischen den Künstlern Borromini und Bernini. Das letzte Referat des Tages hatte das Pantheon zum Thema, welches das am besten erhaltene Bauwerk der Antike ist. Interessant ist, dass das Pantheon früher ein heidnischer Tempel „für alle Götter“ war, der sich zu einer Kirche gewandelt hat, was auch der Grund für seinen guten Erhaltungszustand ist. Im Inneren fiel uns besonders die große Öffnung in der Decke auf, das sog. Opaion, welche sich aus rein statischen, nicht aber – wie man meinen könnte - ästhetischen Gründen dort befindet. Ebenso erinnerten wir uns daran, dass das Gold, welches die Kassetten in der Decke des Pantheon bis 663 n. Chr. zierte, sich jetzt im Petersdom am Baldachin des Altars befindet. Den Abschluss des Tagesprogramms stellte ein Besuch in der wohl traditionellsten und – wie wir bestätigen können - besten Eisdiele Roms dar, der Gelateria Giolitti, in der es unzählige Eissorten gibt.

Am Donnerstag ging es nach dem Frühstück zu Fuß zu den Caracalla-Thermen. Es waren riesige Gebäude, von denen noch relativ viel übrig geblieben ist, so dass man sich die Struktur, vor allem aber die riesigen Ausmaße der Thermen gut vorstellen kann. 52_Santa_Maria_Maggiore_2Besonders interessant fanden wir, dass die Thermen früher für alle Bürger kostenlos waren und für die Ärmeren oft die einzige Möglichkeit der Körperhygiene darstellten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ging es dann weiter nach Ostia Antica, der früheren Hafenstadt Roms, von der heute nur noch eine Ruinenstadt übrig geblieben ist. Und doch hat uns dieser Tag einen besseren Einblick in das Leben der Römer in der Antike gegeben. Wir konnten viele gut erhaltene Gebäude besichtigen und bei einer Führung durch ganz Ostia brachten uns zwei unserer Mitschüler die Sehenswürdigkeiten, darunter das gut erhaltene Theater, in dem auch heute noch Freilichtaufführungen stattfinden, näher. Als wir schon auf der Fahrt mit der S-Bahn zu den Katakomben San Sebastiano waren, bemerkten wir plötzlich, dass wir zwei Mitschülerinnen verloren hatten. Leider verpassten die beiden dadurch dieses nächste Highlight. Sehr beeindruckend war es, so tief unter der Erde zu sein, und schwer vorstellbar, wie viele Menschen hier begraben waren. Wir lernten, dass ein Teil dieser Katakomben aus heidnischer Zeit stammt und ein anderer aus christlicher. Wir sahen allerdings während unserer Führung nur einen kleinen Teil, da die Katakomben eine riesige Grabanlage unter der Stadt Rom sind. Mit einem überfüllten Bus fuhren wir zur Kathedrale Roms, der Lateransbasilika. Dort trafen wir auch wieder auf die zwei verlorenen Mitschülerinnen. Besonders interessant war der Vortrag über die Basilika an sich, für uns aber vor allem der Teil über das Konstanzer Konzil von 1414-1418, da in dieser Kirche Papst Martin V., der auf dem Konstanzer Konzil zum Papst gewählt worden war – eine der beiden Papstwahlen auf deutschem Boden – begraben liegt. Am nächsten Morgen war die Stimmung eher gedrückt, da dies bereits unser letzter Tag in dieser wundervollen Stadt sein sollte. Wir hatten unsere Koffer schon vor dem Frühstück gepackt und die Kirche „Santa Maria Maggiore“ stand als letzter Programmpunkt auf der langen Liste unserer Romreise. Diese lag sehr nahe an unserem Hotel und dort erfuhren wir etwas über ihre bekannte Gründungslegende, weshalb sie auch „Santa Maria della Neve“ genannt wird. Sie war die letzte der vier Papstbasiliken, die wir besichtigten, und beeindruckte uns alle nicht zuletzt durch den besonders prächtigen sogenannten Kosmaten-Fußboden. Danach ging es von Termini mit dem Bus zum Flughafen, wo auch das Chaos durch einen Fehler des Check-in-Personals begann. Wir hatten lange Wartezeiten und dann große Eile, das richtige Gate zu finden. Doch schließlich hatte unser Flug eine Stunde Verspätung, sodass wir das Flugzeug doch nicht verpassten und nur etwas verspätet in Stuttgart landeten. Zurück nach Überlingen ging es wieder mit dem Bus, wo wir gegen 20 Uhr ankamen.

Und so endete für uns eine interessante Studienfahrt in die wunderschöne und einzigartige Metropole Italiens, die uns alle durch ihre Mischung aus Antike und modernem, quirligem italienischen Lebensstil ganz besonders fasziniert hat. „Alle Wege führen nach Rom“ und irgendwann werden wir uns wieder auf den Weg in die „ewig faszinierende Stadt Rom“ machen. Ganz bestimmt! Zumal nach Goethe ein Leben nicht ausreicht, Rom kennenzulernen, und wir lediglich eine Woche Zeit hatten …

Thersa Wegmann (9b) & Markus Thumm