Studienfahrt Rom 2016

Studienfahrt Rom 2016

Studienfahrt der Klassen 9a, 9b und 9c des Gymnasiums Überlingen nach Rom vom 03.04. bis 08.04.2016

rom_2016-088Am Sonntag, den 03.04.2016, begann die langersehnte Romexkursion für die Lateinschüler der 9. Klasse des Gymnasiums Überlingen. Sie begann am Morgen mit einer Busfahrt von Überlingen zum Flughafen Stuttgart, den wir gegen 11:30 Uhr erreichten. Unsere Maschine startete gegen 14:00 Uhr. Nach einem eineinhalbstündigen Flug landeten wir in Rom Fiumicino. Von dort aus fuhren wir mit einem Shuttlebus zum Bahnhof Termini. Die Fahrt dorthin gab uns erste Möglichkeiten, Eindrücke von Rom und seiner Umgebung zu sammeln. Im Hotel Giorgina bezogen alle ihre Zimmer. Manche hatten sogar über einen ruhigen Hinterhof Aussicht auf die Kirche Santa Maria Maggiore, welche zu den vier Papstbasiliken Roms gehört.
Nachdem die Zimmer bezogen waren und sich alle etwas frisch gemacht hatten, ging es auch direkt los in die Stadtmitte Roms. Unser erster großer Halt war bei der Fontana di Trevi. Dort erfuhren wir etwas über den Brunnen, der noch immer von der antiken Wasserleitung Aqua Virgo mit Wasser versorgt wird, und über die Wasserversorgung im antiken Rom. Einige von uns warfen eine Münze in den Brunnen, um sich die Rückkehr nach Rom zu sichern. Nachdem wir etliche kleine Gassen durchquert hatten, kamen wir am Pantheon an. Doch das Highlight des Tages war es, bei Nacht durch Rom zu laufen. Die ganzen erleuchteten Sehenswürdigkeiten erstaunten uns sehr, vor allem die Kaiserforen an der Via dei Fori Imperiali auf dem Rückweg zum Hotel waren nachts - wirkungsvoll illuminiert – noch weitaus beeindruckender als bei Tageslicht.
rom_2016-133Am nächsten Morgen ging es sehr früh los zum Bahnhof Termini und von dort aus mit der Metro zum Petersplatz. In der Metro machten wir das erste Mal mit dem Temperament der Italiener Bekanntschaft. Als wir am Petersplatz angekommen waren, ließen wir das Ambiente auf uns wirken. Wir staunten über die Dimension und die prunkvolle Gestaltung des Platzes durch Säulen und Figuren. Das Ganze konnten wir weiterhin genießen, als wir in der Schlange zu den Sicherheitskontrollen standen. Als wir ohne Probleme durch die Kontrollen hindurch-gekommen waren, warteten wir auf unseren Guide namens Stefano Mastantuono. Er erzählte uns einiges über den Platz und dessen Architektur, wobei sich uns der Name Gian Lorenzo Bernini einprägte. Als wir den Petersdom betraten, erklärte er uns sehr viel und ausführlich die Figuren und Gemälde, die sich im Inneren befinden. Interessant zu sehen waren die zahlreichen Mosaikbilder. Es war sehr beeindruckend, wie der Petersdom in Wirklichkeit aussieht und was sich alles in ihm verbirgt.
Nach einer sehr guten und interessanten Führung liefen wir auf die Kuppel des Petersdoms. Die 551 Stufen haben sich gelohnt. Von dort oben hatte man eine atemberaubende Aussicht über ganz Rom. Uns hat es sehr gefreut, erkennen zu können, welche Sehenswürdigkeiten wir noch alle besuchen werden und wo sie ungefähr liegen. Uns fiel vor allem die Engelsburg auf. Als wir wieder unten auf dem Petersplatz angekommen waren, hatten wir die Möglichkeit, uns hinzusetzen und wir konnten uns noch zwei kurze Vorträge aus unseren Reihen über den Petersplatz und den Petersdom anhören. Was uns nicht entging, war die Schweizergarde. Auch über sie lauschten wir aufmerksam einem informativen Referat.
rom_2016-541Am Montagmittag standen wir vor der Engelsburg, dem früheren Hadriansmausoleum, heute Castel Sant´Angelo genannt, und hörten uns zwei Präsentationen über diese an. Die erste Präsentation handelte von dem Gebäude in der Antike, als es für Kaiser Hadrian als Begräbnisstätte diente. Danach hörten wir in der zweiten Präsentation etwas über die Engelsburg, als sie den Päpsten als Fluchtburg diente. Als wir über die Engelsbrücke liefen, wurde uns etwas über die von Bernini geschaffenen Engelsfiguren, die sich auf jener befinden, erzählt. Nach einer kurzen Mittagspause, in der wir uns umschauten und etwas aßen, trafen wir uns am Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona wieder. Als wir uns alle versammelt hatten, erzählte uns eine Schülerin die wichtigsten Details über den Brunnen mit seinen vier Flussgottheiten Donau, Nil, Ganges und Rio dela Plata, seinen Künstler Bernini und seinen Widersacher Borromini und den Platz, das einstige Stadion des Domitian. Nach einem Fußmarsch gelangten wir zum Pantheon. Wir schauten uns alle das Pantheon von innen an und erfuhren danach, dass dieses Bauwerk lange Zeit die größte freitragende Kuppel der Welt besaß. Ebenso erfuhren wir, dass das gesamte Gold, das die Kassetten im Inneren der Kuppel zierte, auf Wunsch von Papst Urban VIII. aus der Familie der Barberini, entfernt worden sein soll, um es u. a. im Petersdom für den Baldachin über dem Altar wiederzuverwenden. Daher das Sprichwort: „Quod non fecerunt barbari, fecerunt Barberini.“ Beeindruckt von diesem riesigen Bauwerk, das auch als Grabstätte z. B. für den Renaissancemaler Raffael dient, liefen wir zum, nicht allzu weit entfernten, Bernini-Elefanten. Gegenüber den anderen Bauwerken, die wir bis dahin gesehen hatten, wirkte der Elefant sehr klein. Überraschend war jedoch die Geschichte, die hinter diesem unscheinbaren Elefanten steckt. Dieser wurde nämlich nicht, wie man vom Namen her denken könnte, von Bernini selbst erschaffen, sondern der Elefant wurde von einem Lehrling Berninis namens Ercole Ferrata gebaut; da Bernini selbst an dem Projekt, einen realistischen Elefanten zu bauen, scheiterte, übernahm sein Lehrling dieses Projekt und baute diesen Elefanten. Jedoch wird bis heute immer noch Bernini als erfolgreicher Erschaffer des Elefanten gefeiert. Ercole Ferrata hat es nie geschafft, aus dessen Schatten zu treten. Nach diesem letzten Vortrag machte sich unsere komplette Gruppe, erschöpft von diesem anstrengenden, aber eindrucksvollen und lehrreichen Tag auf den Weg zum Hotel. Dort angekommen genossen wir mit unseren Freunden noch den restlichen Abend.
Das Tagesprogramm begann am Dienstag damit, dass wir uns auf den Weg nach Tivoli machten, um uns dort als Tagesziele  die Villa Hadriana und die Villa d´Este anzuschauen. Wir nahmen die Metro von Termini bis Ponte Mammolo, wo wir auf den Bus umstiegen, der uns in das 30km entfernte Tivoli, das antike Tibur, brachte. Auf dem Weg kamen wir an einigen der Steinbrüche vorbei, welche um die Villa angelegt worden waren, um die Versorgung mit Baumaterial zu sichern.
rom_2016-479Wir erreichten schließlich das 125 Hektar große Gelände der Villa Hadriana, welche einst Kaiser Hadrian (76 – 138 n. Chr.) als Sommerresidenz und Alterssitz erbauen ließ. Wie auch schon Hadrians Gäste damals betraten wir als erstes Gebäude den Pecile. Nach griechischem Vorbild wurde dieser rechteckige Kolonnengang in einem großzügigen Garten um einen künstlichen Teich angelegt. Vor dem Pecile lag aber noch ein Gebäude, in welchem sich ein Modell der riesigen Anlage befand. Dort hörten wir ein Referat über die Villa, ihre Gebäude und deren Funktionen. Danach machten wir uns auf den Weg durch die Villa und kamen unter anderem an den beiden Thermen vorbei, wovon die eine für den Kaiser, dessen Familie und Besucher und die andere für die Bediensteten gedacht war. Wir liefen einmal um den Canopus, ein großes Wasserbecken, das in einem engen Tal eingebettet lag und an den Kanal Canopo erinnert, der Alexandria mit dem Nil verband und dem Wasserbecken seinen Namen gab. Außerdem besichtigten wir noch das Thermalbad der Villa. Der runde Raum war auf der Südseite mit großen Glasfenstern ausgestattet, um in den Nachmittagsstunden möglichst viel Wärme einzufangen. Im Innenraum befanden sich ringsum Marmorbänke für die Saunagäste. Über ein zentrales Loch (lumen) in der Decke konnte die Dampfmenge im Raum reguliert werden (Heliocaminus).
Nachdem wir weite Areale der Villa besichtigt hatten, machten wir uns auf in Richtung Tivoli. Die Wanderung nach Tivoli führte über einen schmalen Weg, der sich die Sabiner Berge hinaufschlängelte. Oben angekommen bot sich uns eine wunderschöne Aussicht auf die Umgebung Roms. Wir liefen ein wenig durch die Stadt Tivoli, bevor wir in der Nähe der Villa d´Este eine kurze Mittagspause mit Pizza und Eis einlegten.
Danach betraten wir die Villa d´Este. Nun konnten wir die schönen Gärten und Brunnen der Anlage besichtigen und uns in den mit Fresken und Gemälden verzierten Räumen umsehen. Diese Villa, die von Kardinal Ippolito II. d’Este erbaut wurde, beinhaltet über 500 wunderschöne Brunnen, die auf 120 Hektar angelegt sind. Von der Villa d´Este liefen wir durch Tivoli zum Bahnhof, wo uns der Zug zurück nach Rom brachte. Auf der Fahrt dorthin bot sich uns ein unglaublicher Ausblick über Tivoli und das Umland der Hadriansvilla.
rom_2016-126Der Mittwoch begann mit dem Frühstück um 7:30 Uhr. Um 8:15 Uhr trafen wir uns vor dem Hotel und liefen zum Bahnhof Termini, von wo es mit der Metro B in Richtung Rebibbia bis zur Haltestelle Piramide ging. Von dort ging es mit der S-Bahn weiter nach Ostia Antica, der ehemaligen Hafenstadt Roms. Auf dem ersten Rundgang durch das Gelände durften wir uns selbst einen Eindruck verschaffen, während uns auf dem Rückweg wesentliche Dinge und Gebäude von einer Mitschülerin erläutert wurden.
Es war sehr interessant zu sehen, wie die Römer diese Hafenstadt angelegt haben. Wir erfuhren auch, dass die Römer ankommende Güter von großen Schiffen auf kleine umluden, um sie so, den Tiber hinauf, in die Stadt zu bringen. Dass heutzutage in Ostia Antica kein Meer mehr zu sehen ist, liegt an der Verlandung durch Sediment, welches der Tiber im Laufe der Zeit massenhaft mitbefördert hat.
Während unseres Rundgangs konnten wir eine antike Bar mit „antikem Kühlschrank“, zerfallene Gebäude, ein noch gut erhaltenes Theater und einige Bodenmosaike sehen. Schade war nur, dass die laut unseren Lehrern schönsten Mosaike (z. B. in den Neptunsthermen) aufgrund von Renovierungsarbeiten abgedeckt waren.
Nach der Besichtigung und einem kurzen Aufenthalt im Theater, ging es weiter mit dem Bus zu den Domitilla-Katakomben. Nach einer kurzen Pause wurden wir dann durch die Katakomben geführt. Dabei erfuhren wir, dass die Domitilla-Katakomben die größten der ungefähr 60 Katakomben Roms waren.
Unser nächster Programmpunkt war die Basilika Sankt Paul vor den Mauern, die wir nach den Katakomben zu Fuß aufsuchten. Sankt Paul vor den Mauern ist eine der vier Patriarchalbasiliken und eine der sieben Pilgerkirchen Roms. In ihr sind alle bisherigen Päpste des Christentums abgebildet.
Danach nahmen wir die Metro zurück zum Bahnhof Termini, von wo aus wir noch zur Basilika Santa Maria Maggiore liefen. Die Santa Maria Maggiore ist, wie Sankt Paul vor den Mauern, eine der Patriarchalbasiliken. Zudem ist sie die größte Kirche Roms, die Maria gewidmet ist.
Nach der Besichtigung dieser Kirche ging es zurück ins Hotel. An diesem Abend erlebte ein großer Teil unserer Gruppe ein typisch römisches Essen, von dem nicht alle gleichermaßen begeistert waren. Insgesamt war es ein sehr schöner Tag, an dem wir viel von Rom und seiner unmittelbaren Umgebung gesehen haben.
Den Donnerstagmorgen begannen wir mit einem Spaziergang zur Trajanssäule, einer Ehrensäule, die 112/113 n. Chr. für den römischen Kaiser Trajan erbaut wurde, auf dem Trajansforum steht und Szenen aus dem Krieg gegen die Daker zeigt. Da man auf dem Trajansforum Ausblick auf viele verschiedene Säulenformen hat, hielt dort ein Schüler einen Vortrag über die verschiedenen Säuletypen und die wichtigsten Grundbegriffe der griechisch-römischen Architektur.
Ursprünglich hatten wir als nächstes die Besichtigung des Kapitols geplant; zwar war dies infolge eines Staatsbesuches des dänischen Königspaares nicht möglich, dennoch war die dort nicht zu übersehende Parade beeindruckend und sehenswert. Dieses Ereignis erklärte auch, wieso zuvor das Verkehrschaos in Rom noch größer als üblich gewesen war. Vom Kapitol machten wir uns auf zum Circus Maximus. Wo sich jetzt eine grüne Rasenfläche und noch wenige Ruinen befinden, war einst ein prächtiger Circus, in dem Wagenrennen stattfanden. Die Zuschauerränge und die spina kann man nur noch erahnen. Von dort aus kann man auch einige Gebäude des an das Forum angrenzenden Palatin sehen, welches wir als nächstes besichtigten. Das Forum Romanum Roms ist das älteste römische Forum und war der Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens.
Neben vielen Ruinen von damaligen öffentlichen Gebäuden befindet sich dort auch der Tempel der Vestalinnen, in dem einst das heilige Feuer der Vesta brannte. Es war beeindruckend, wie gut einige Säulen und im angrenzenden Haus der Vestalinnen die Figuren noch erhalten sind.
Unser nächstes Ziel war das Kolosseum, ursprünglich „Amphitheatrum Flavium“, eines der berühmtesten, wenn nicht das Markenzeichen Roms. Das Kolosseum hat seinen Ruf nicht umsonst: Wenn man den inneren Teil des riesigen Gebäudes betritt, erhält man eine fantastische Aussicht über die ehemaligen schier unzähligen Sitzplätze und die unterirdischen Räume. Dass das Gebäude für das Nachstellen historischer Seeschlachten, sog. Naumachien, geflutet werden konnte, erschien uns unvorstellbar, auch wenn dies wohl nur vor der Anlage der unterirdischen Räume möglich war. Das Kolosseum, dessen Name auf eine in der Nähe befindliche Kolossalstatue Neros, also nicht etwa auf die gewaltigen Ausmaße des Gebäudes, zurückgeht, war für unsere Gruppe gewiss eines der Highlights der Romfahrt und die vielen anderen Besucher bestätigten unseren Eindruck.
Direkt neben dem Kolosseum befindet sich der dreitorige Konstantinsbogen, ein Triumphbogen zu Ehren des Kaisers Konstantin (272 – 337 n. Chr.) in Erinnerung an dessen Sieg (Stichwort „In hoc signo vinces.“) über Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke 312 n. Chr.
Gegen Abend liefen wir zum Lateran, auf dem sich die Lateransbasilika (San Giovanni in Laterano), eine der vier berühmten Papstbasiliken Roms, und der größte aller Obelisken Roms, welcher ohne Sockel über 32 Meter misst, befinden. Von den Inschriften auf dem Sockel übersetzten wir diejenige, die gewissermaßen die Herkunftsgeschichte des Obelisken erzählt (Ostseite).
Beim Betreten der Basilika konnten römisch-katholische Christen auch hier durch die letzte der vier heiligen Pforten gehen, welche auf Grund des Heiligen Jahres 2016 geöffnet waren. Damit war leider auch dieser Tag und unsere schöne, bisweilen anstrengende, vor allem aber lehrreiche Studienfahrt in die faszinierende urbs aeterna so gut wie zu Ende. Am nächsten Tag ging es mit einem entspannten Flug zurück nach Deutschland, wo wir allen von unseren Reiseerlebnissen erzählen konnten.

Text: Frank Martin, Markus Thumm
Fotos: David Wissel, Frank Martin